Ortsporträt

Aristau liegt im süd-östlichen Teil des Bezirks Muri, im Freiamt, nahe der Grenze zum Kanton Zürich. Ungefähr in der Mitte zwischen Muri, Bremgarten und Ottenbach (ZH). Die Gemeindegrenze erstreckt sich von der Bünz im Westen bis über die weite Talebene zur Reuss im Osten . Die Reuss bildet die Gemeindegrenze, die gleichzeitig Bezirksgrenze zum Bezirk Bremgarten und auf einer kurzen Strecke auch Kantonsgrenze zum Kanton Zürich ist.

Mit 862.89 ha gehört Aristau flächenmässig zu den grössten Gemeinde im Freiamt.

Die politische Gemeinde Aristau ist bereits 1912 mit Althäusern und Birri zu einer Ortsbürgergemeinde zusammengeschlossen worden.

Gegen 19 Vereine der verschiedensten Interessengebiete bieten vielfältige Freizeitbeschäftigungen an.

Aristau, ein Juwel im Naturschutzgebiet

Unser Dorf liegt am Osthang des Moränenzuges Wagenrain, der das Reusstal vom Bünztal trennt. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von der Bünz im Westen bis über die weite Talebene zur Reuss im Osten. Die Reuss bildet die Gemeindegrenze, die gleichzeitig Bezirksgrenze zum Bezirk Bremgarten und auf einer kurzen Strecke auch Kantonsgrenze zum Kanton Zürich ist. Mit 862.89 ha gehört Aristau flächenmässig zu den grössten Gemeinden im Freiamt. Aristau ist ein Teil des Reusstals, das mit seiner parkähnlichen Landschaft und seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. In unserem Gebiet lag nach der Eiszeit ein See, der sich südlich Richtung Bremgarten ausdehnte. Darin lagerten sich nach und nach Flussschotter, Schwemmsand und Lehme ab. Als der See verlandete, wand sich die Reuss in immer wieder ändernden Schlaufen durch das Tal. In alten Reussläufen bildeten sich Torfschichten. Schon oftmals mussten bei Tiefbauarbeiten unangenehme Erfahrungen gemacht werden, wenn Schwemmsand oder Torf zum Vorschein kamen, während wenige Meter daneben guter, kiesiger Baugrund vorhanden ist.

Seit altersher haben vor allem unsere Landwirte mit der Reuss zu kämpfen. Das Land war sehr sumpfig. Nach 725 berichtet die Chronik, dass nach Ottenbach kein eigentlicher Weg und erst recht keine Brücke bestand, und dass sogar im trockenen Sommer die Räder der Fuhrwerke im Boden einsanken. Der junge Kanton Aargau befasste sich schon bald mit der Reuss. Er liess 1809 ein Projekt erstellen. Nach einem starken Hochwasser 1840 beschloss der Grosse Rat 1857 ein Dekret zur Entsumpfung der oberen Reussebene zwischen Mühlau und Hermetschwil. 1860 waren die Dämme und das Kanalsystem fertig erstellt. Wegen Drainagen und Kanalisationen im Einzugsgebiet, aber auch wegen Bodensenkungen und Verlandungen der Kanäle, wurde die Überschwemmungsgefahr wieder je länger je grösser. In den Jahren 1910 und 1953 ereigneten sich Dammbrüche. Immer wieder wurden weite Gebiete vom Reusswasser überschwemmt.

Das Aargauer Volk stimmte 1969, nach heftigem Abstimmungskampf, dem Gesetz über den Hochwasserschutz, die Entwässerung und die Bodenverbesserung im Gebiet der Reussebene knapp zu. Dies gegen die Stimmen der Bezirke Muri und Bremgarten. Von den 10 Reusstalgemeinden stimmten nur 5 zu. Aristau verwarf das Gesetz bei einer Stimmbeteiligung von 89 % mit 48 zu 124 Stimmen klar. Aus Kreisen des Naturschutzes wurden zwei Reusstalinitiativen ergriffen. Sie verlangten mehr Naturschutz und den Verzicht auf das Kraftwerk in Zufikon. Eine Initiative wurde vom Volk abgelehnt, die andere vom Bundesgericht als ungültig erklärt.

Im oberhalb Althäusern gelegenen Torfmoos wurden grosse Flächen Torf abgebaut. Anschliessend wurde das Land entwässert und zu Kulturland umfunktioniert. Praktisch nichts mehr ist von den früheren Riedwiesen vorhanden. 1932 wurde dort die Arbeitskolonie Murimoos gegründet, die eine grössere Fläche des ehemaligen Torfbodens kaufte und mit Hilfe des Kantons Aargau ein Heim gründete. Seither ist das Murimoos ein Zuhause für Männer, die zu schwach sind, um die Normen unserer Gesellschaft zu erfüllen und deshalb im freien Erwerbsleben nicht bestehen können. Die neuen Wohngebäude stehen auf Murianer Boden, Landwirtschaftsbetrieb, Werkstätten und der grösste Teil des Kulturlandes liegen auf Gemeindegebiet Aristau.

Eingebettet in eine Landschaft von nationaler Bedeutung ist Aristau ein Eldorado für Spaziergänger, Wanderer und Velofahrer und prädestiniert als Naherholungsraum. Das Reusstal spürt denn auch den Druck der Erholungssuchenden aus dem Freiamt und der Agglomeration Zürich. Die Reusstalmelioration brachte ein Miteinander von Wasserkraftnutzung (Kraftwerk Zufikon mit Stausee), Landwirtschaft und Naturschutz. Die Landschaft wurde zum Teil sehr stark verändert. Sowohl an der Reuss als auch in Feld und Wald und auf den Höhen durchziehen etliche Wanderwege unsere Gemeinde. Als Wandergebiet hat das Reusstal einen unvergleichbaren Charakter. Der Ausflugstourismus hat leider auch seine Schattenseiten. So mussten die Naturschutzorganisationen, zusammen mit dem Kanton und der Reusstalkommission, einen Aufsichtsdienst organisieren. Die damit beauftragten Funktionäre überwachen die Einhaltung der Sorgfaltspflichten und der Vorschriften in der Reussebene. Das gesamte Gemeindegebiet ausserhalb der Bauzone zwischen Kantonsstrasse Bremgarten-Sins und der Reuss ist kantonales und nationales Schutzgebiet und untersteht strengen Vorschriften des Reusstaldekretes (19.1.1982), damit die Naturschönheiten für die Zukunft gesichert sind. Naturfreunde kommen in Aristau voll auf Ihre Rechnung. Viele seltene Vogelarten brüten in den Naturschutzgebieten unserer Gemeinde, wie etwa Pirol, Feldschwirl, Fitis, Goldammer, aber auch Rohrammer, Teich- und Sumpfrohrsänger. Dorngrasmücke und Baumpieper sind in den letzten Jahren leider praktisch verschwunden. Die Nachtigall hat in unserer Gemeinde ihren einzigen regelmässigen Brutplatz in der südlichen aargauischen Reussebene.

Auf Aristauer Boden gedeihen schöne Bestände der sehr artenreichen Pfeifengraswiesen, wo von Frühling bis Herbst verschiedene Blüten zu bewundern sind. Die wohl bekannteste ist die Sibirische Schwertlilie oder Blauer Ilge, wie sie von Einheimischen etwa noch genannt wird. Pfeifengraswiesen existieren in verschiedenen Ausbildungen auf trockenen bis nassen, auf kalkhaltigen bis bodensauren Böden. Sie zählen zu den artenreichsten Pflanzengemeinschaften, die im Mittelland vorkommen. Die Wiesen werden nur einmal im Herbst geschnitten. Neben der Sibirischen Schwertlilie treffen wir hier Gebräuchliche Betonie, Lungenenzian, Herbstzeitlose, Weidenblättriger Alant, Gelbes und Moor-Labkraut, Gemeine Flockenblume, Filzfrüchtige Segge, Silge, Färber-Scharte, Teufelsabbiss, Wiesenbocksbart, Zittergras, verschiedene Orchideen wie Kleine Orchis, Helm-Orchis, Langspornige Handwurz. Bis zu 60 verschiedene Pflanzen können hier auf weniger als einer Are angetroffen werden. Wo so viele Pflanzen gedeihen, summt und kreucht es vielfältig. Pfeifengraswiesen und andere Riedgebiete sind Orte, wo heute noch eine reiche Schmetterlingswelt bewundert werden kann und wo Heuschrecken und Grillen zirpen.

Die Hochstaudenfluren auf nährstoffreichen Böden mit Spierstaude, Gemeinem Gilbweiderich, Waldengelwurz, Wasserminze und Brennessel dringen mancherorts auf Kosten ehemaliger Pfeifengrasbestände vor.

Die zwei einzig verbliebenen Gebiete des oberen Reusstals mit Zwischenmoorvegetation (nimmt Zwischenstellung zwischen Hochmoor und Flachmoor ein) liegen in der Gemeinde Aristau. Hier wachsen noch Torfmoose, Behaartfrüchtige Segge, Strauss-Gilbweiderich, Fieberklee, Sonnentau und Wassernabel, Pflanzen, die im ganzen Aargau sehr stark gefährdet und höchst selten sind. Bemerkenswert für Aristau sind die grossen Bestände des Blausterns, ein Frühblüher in feuchten Wäldern.

In den Naturschutzzonen unserer Gemeinde können folgende Amphibien festgestellt werden: Grasfrosch, Wasserfrosch, Teichfrosch, Erdkröte, Kreuzkröte, Gelbbauchunke, Kammmolch, Bergmolch, Teichmolch, Fadenmolch, Feuersalamander. Das sind, mit Ausnahme des Laubfrosches, der erst in den letzten 10 Jahren ausgestorben ist, und der Geburtshelferkröte, deren Vorkommen ungewiss ist, sämtliche Amphibien, die überhaupt im Kanton Aargau vorkommen.